IHK-Vorbereitung · Fachinformatiker Systemintegration
AP Teil 1 – Relevanz
AP1 + AP2
Beide Prüfungsteile sowie die Projektdokumentation betroffen
Kernthemen
5 Blöcke
Typen · 3-2-1 · Snapshots · Versionierung · Restore-Test
Datensicherung schützt primär das Schutzziel Verfügbarkeit, aber auch Integrität (Wiederherstellbarkeit unverfälschter Daten). Sie ist Pflichtbestandteil jedes IT-Sicherheitskonzepts und gesetzlich relevant (z.B. HGB Aufbewahrungspflichten, DSGVO).
💡 Prüfungstipp: RPO und RTO werden oft in Fallbeispielen abgefragt: „Ein Unternehmen kann max. 4 Stunden Datenverlust tolerieren und muss in 2 Stunden wiederhergestellt sein – wie lauten RPO und RTO?"
Die Wahl der Backup-Strategie beeinflusst Speicherbedarf, Dauer der Sicherung und Dauer der Wiederherstellung. In der Prüfung werden diese drei Typen häufig in Tabellenform verglichen.
Alle Daten werden vollständig gesichert – unabhängig davon, ob sie sich seit der letzten Sicherung geändert haben.
Sichert alle Daten, die sich seit der letzten Vollsicherung geändert haben. Wächst mit der Zeit, bis zur nächsten Vollsicherung.
Sichert nur die Daten, die sich seit der letzten Sicherung (egal welcher Art) geändert haben. Kleinste Datenmenge pro Sicherungslauf.
Exakte Kopie des Quellsystems. Gelöschte Dateien werden auch im Backup gelöscht. Kein Versionsverlauf. Eher Replikation als Backup.
| Strategie | Speicherbedarf | Sicherungsdauer | Restore-Aufwand | Benötigte Datenträger |
|---|---|---|---|---|
| Vollsicherung | Hoch | Lang | Gering | 1 |
| Differenziell | Mittel | Mittel | Mittel | 2 (Voll + Diff) |
| Inkrementell | Gering | Kurz | Hoch | Voll + alle Inkremente |
Klassisches Rotationsschema für Backup-Medien:
💡 Mindestens 9 Medien werden benötigt: 4 Söhne + 4 Väter + 1 Großvater (laufender Monat). Bei 12 Großvätern für Jahresarchiv entsprechend mehr.
Die 3-2-1-Regel ist der international anerkannte Mindeststandard für eine robuste Backup-Strategie. Sie schützt vor Hardware-Ausfall, lokalem Desaster und Ransomware gleichzeitig.
Im BSI-Kontext und bei modernen Backup-Lösungen (z.B. Veeam) wird die Regel erweitert:
| Medium | Kapazität | Geschwindigkeit | Lebensdauer | Einsatz |
|---|---|---|---|---|
| Magnetband (LTO) | bis 45 TB (LTO-9) | Mittel (sequenziell) | 30+ Jahre | Archiv, Off-Site, Großvater |
| Festplatte (HDD/NAS) | bis 20+ TB | Hoch | 3–5 Jahre | Tages-/Wochenbackup, schneller Restore |
| SSD | bis 8+ TB | Sehr hoch | ~5 Jahre | Schneller Restore, Business Critical |
| Cloud (Object Storage) | Unbegrenzt skalierbar | Netzwerkabhängig | Solange bezahlt | Off-Site-Kopie, Disaster Recovery |
| Optisch (Blu-Ray/M-Disc) | bis 100 GB | Gering | 100+ Jahre (M-Disc) | Langzeitarchiv, WORM |
💡 Prüfungstipp: Aufbewahrungsfrist und Datenschutz widersprechen sich scheinbar. Lösung: Archivierte Daten dürfen nicht aus dem Archiv gelöscht werden, solange die gesetzliche Frist läuft – aber auf neuen Zugriff darf verzichtet werden.
Ein Snapshot ist eine Momentaufnahme (Point-in-Time-Kopie) des Zustands eines Systems, einer VM oder eines Dateisystems zu einem bestimmten Zeitpunkt.
⚠️ Wichtig: Ein Snapshot ist kein Backup! Er liegt auf demselben Speicher. Bei Storage-Ausfall oder Ransomware sind Snapshot und Original gleichzeitig verloren.
| Kriterium | Snapshot | Backup |
|---|---|---|
| Speicherort | Gleicher Datenträger | Separates Medium |
| Schutz bei Storage-Ausfall | Nein | Ja |
| Schutz bei Ransomware | Eingeschränkt | Ja (wenn offline) |
| Erstellungszeit | Sekunden | Minuten bis Stunden |
| Restore-Zeit | Sehr schnell | Minuten bis Stunden |
| Anwendungsfall | Vor Update/Patch, kurzfristig | Langfristige Datensicherung |
Versionierung ermöglicht es, frühere Zustände von Dateien oder Systemen wiederherzustellen – auch ohne vollständige Backup-Wiederherstellung.
Dateisystemversionierung (VSS / Shadow Copy)
Windows Volume Shadow Copy Service (VSS) erstellt automatisch Schattenkopien auf NTFS-Volumes. Benutzer können frühere Versionen einzelner Dateien selbst wiederherstellen. Im Hintergrund nutzt die meisten Windows Server Backups ebenfalls VSS.
Git / Versionskontrolle (für Code)
Versionierungssystem für Quellcode und Konfigurationsdateien. Jeder Commit ist ein Snapshot. Branches ermöglichen parallele Entwicklung. Bei FiSi: relevant für Konfigurationsmanagement und IaC.
Backup-Software Versionierung
Moderne Backup-Lösungen (Veeam, Acronis, Bacula) behalten mehrere Versionen (Restore Points). Retentionpolicies legen fest, wie viele Versionen wie lange aufbewahrt werden (z.B. 7 tägliche, 4 wöchentliche, 12 monatliche Restore Points).
WORM-Speicher (Write Once Read Many)
Einmal beschriebene Daten können nicht geändert oder gelöscht werden. Einsatz bei gesetzlich vorgeschriebenen Archivierungspflichten und als Ransomware-Schutz (Immutable Backup).
Der Restore-Test ist der Beweis, dass eine Datensicherung tatsächlich funktioniert. Ohne regelmäßige, dokumentierte Tests kann im Ernstfall nicht auf das Backup vertraut werden. Der BSI IT-Grundschutz (CON.3) schreibt Wiederherstellungstests explizit vor.
1. Planung und Dokumentation
Testumfang festlegen (vollständige Systemwiederherstellung oder einzelne Dateien?), Testumgebung bereitstellen, Zuständigkeiten klären, Zeitfenster planen.
2. Backup-Medium und -Version auswählen
Backup aus dem Produktivsystem auswählen. Verschiedene Alter testen (aktuell, eine Woche alt, ein Monat alt). Medium auf Lesbarkeit prüfen (kein Bit Rot).
3. Wiederherstellung in Testumgebung
Restore in isolierter Umgebung durchführen (nicht in Produktion!). Bei VM: Restore in separates vLAN / Testnetzwerk. Zeit und Schritte protokollieren → RTO-Messung.
4. Konsistenzprüfung und Funktionstest
Sind alle Daten vollständig? Datenbank-Integrität prüfen (DBCC CHECKDB, mysqlcheck). Anwendungen starten und Kernfunktionen testen. Hashwert-Vergleich mit Original wo möglich.
5. Dokumentation und Bewertung
Ergebnis dokumentieren: was wurde wiederhergestellt, wie lange dauerte es, welche Fehler traten auf. RTO und RPO mit Anforderungen abgleichen. Bei Abweichungen: Backup-Konzept anpassen.