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Tag 14: Lizenzmodelle

IHK-Vorbereitung · Fachinformatiker Systemintegration

Tag 14: Lizenzmodelle

AP Teil 1 – Relevanz

AP1 + AP2

Lizenzrecht ist im Prüfungsbereich „Einrichten eines IT-gestützten Arbeitsplatzes" und im Projektteil relevant

Häufigkeit in Prüfungen

Hoch

Vergleich von Lizenzmodellen, Kosten und rechtliche Compliance sind typische Aufgabenstellungen

AP Teil 1

Einrichten eines IT-gestützten Arbeitsplatzes

Grundlegende Kenntnisse zu Software-Lizenzierung werden im AP1 abgefragt. Folgende Themen sind prüfungsrelevant:

  • Unterschied zwischen Kauflizenz, Abonnement und Pay-per-Use erklären
  • Open Source, Freeware und proprietäre Software voneinander abgrenzen
  • Passende Lizenzform für ein gegebenes Szenario auswählen und begründen
  • Kostenvergleich: TCO (Total Cost of Ownership) bei verschiedenen Modellen
  • Rechtliche Rahmenbedingungen: Urheberrecht, EULA, Compliance
AP Teil 2

Konzeption und Administration von IT-Systemen

Vertieftes Wissen zu Unternehmenslizenzierung, Client Access Licenses und Audit-Prozessen.

  • CAL-Konzepte (User CAL vs. Device CAL) verstehen und anwenden
  • Lizenz-Compliance und Audit-Vorbereitung planen
  • Volume-Licensing, Enterprise Agreements und Rahmenverträge einordnen
  • Lizenzmanagement-Tools und Inventarisierung nennen
Betriebliche Projektarbeit (50%)

Lizenzierung im Projekt

Bei der Beschaffung von Software im Rahmen des Projekts muss das gewählte Lizenzmodell begründet und dokumentiert werden.

  • Auswahl des geeigneten Modells (Kauf, Abo, Open Source) mit Kostenargumenten belegen
  • Rechtliche Zulässigkeit für den Einsatzzweck prüfen und dokumentieren
  • Im Fachgespräch: Vor- und Nachteile des gewählten Modells erläutern können
Abrechnungsmodelle im Überblick

Wie wird Software bezahlt?

In der IHK-Prüfung wird häufig verlangt, Modelle zu definieren, vergleichen und für ein gegebenes Szenario das wirtschaftlich und rechtlich geeignete Modell auszuwählen.

🛒

Kaufmodell (Perpetual License)

Einmalige Zahlung für eine unbefristete Nutzungslizenz einer bestimmten Softwareversion. Updates/neue Versionen müssen separat erworben werden. Oft ergänzt durch optional buchbaren Wartungsvertrag (Software Assurance).

einmaliger Aufwand keine laufenden Kosten Versionsgebunden hohe Anfangsinvestition
🔄

Abonnementmodell (Subscription / SaaS)

Regelmäßige Zahlung (monatlich/jährlich) für Nutzungsrecht. Immer aktuelle Version inklusive, meist cloudbasiert. Kein eigenes Hosting erforderlich. Nach Ablauf erlischt die Nutzungsberechtigung.

laufende Kosten immer aktuell skalierbar Abhängigkeit vom Anbieter

Pay-per-Use (nutzungsbasiert)

Abrechnung nach tatsächlicher Nutzung (z.B. API-Calls, GB-Daten, Stunden). Typisch bei Cloud-Diensten (AWS, Azure). Ideal bei unregelmäßigem oder schwer vorhersehbarem Bedarf. Kosten schwer planbar.

nutzungsabhängig Cloud-typisch keine Fixkosten schwer kalkulierbar

Vergleich der Abrechnungsmodelle

Typisches Format für Prüfungsaufgaben: Modell für ein Szenario auswählen und begründen.

Kriterium Kauf Abo Pay-per-Use
Kosten Hohe Einmalzahlung Laufende Fixkosten Variable Kosten
Updates Kostenpflichtig / optional Inklusive Inklusive
Skalierbarkeit Gering Mittel (Lizenzen zukaufen) Sehr hoch
Planbarkeit Hoch Hoch Gering
Geeignet für Stabiler, dauerhafter Bedarf Regelmäßige Nutzung, Teams Schwankende / seltene Nutzung

Merkhilfe: Typische Prüfungsfragen zu Lizenzmodellen

  • „Ein Unternehmen benötigt Software für 50 Mitarbeiter, die täglich damit arbeiten" → Abo oder Kauflizenz (Fixkosten planbar)
  • „Ein Startup benötigt Rechenleistung für sporadische Auswertungen" → Pay-per-Use (keine Fixkosten)
  • „Nennen Sie einen Vorteil des Kaufmodells gegenüber dem Abo" → keine Abhängigkeit, keine laufenden Kosten, nach ROI günstiger
  • „Was passiert nach Ablauf einer Subscription?" → Nutzungsrecht erlischt, Datenzugriff kann eingeschränkt werden
Rechtsstatus von Software

Open Source, Freeware und kommerzielle Software

Eine häufige Prüfungsfalle: Open Source ist nicht gleich kostenlos – es geht um die Verfügbarkeit des Quellcodes und die Nutzungsrechte, nicht den Preis.

🌐

Open Source Software (OSS)

Quellcode ist öffentlich zugänglich. Nutzung, Veränderung und Weitergabe sind erlaubt – aber unter Bedingungen der jeweiligen Lizenz. Wichtige Lizenzen: GPL, MIT, Apache, LGPL.

Quellcode offen anpassbar oft kostenlos Copyleft möglich (GPL)
🆓

Freeware

Kostenlos nutzbar, aber kein Quellcode verfügbar und keine Änderungen erlaubt. Urheberrecht bleibt beim Hersteller. Häufig für Privatnutzer kostenlos, aber kommerzielle Nutzung eingeschränkt.

kostenlos kein Quellcode nicht veränderbar Nutzungsbeschränkungen möglich
💼

Kommerzielle / Proprietäre Software

Kostenpflichtige Software mit geschlossenem Quellcode. Nutzung ist per EULA (End User License Agreement) geregelt und auf bestimmte Zwecke/Geräte beschränkt. Kein Recht zur Weitergabe ohne Erlaubnis.

kostenpflichtig geschlossener Code EULA-gebunden kein Weiterverkauf
⚠️

Shareware / Demoware

Zeitlich oder funktional eingeschränkte Testversion. Nach Ablauf wird eine Kauflizenz fällig. Nicht mit Freeware verwechseln – Shareware ist nur temporär kostenlos nutzbar.

zeitlich begrenzt Funktionseinschränkung Kaufaufforderung

Open-Source-Lizenzen im Detail

Die Lizenz bestimmt, was mit dem Code gemacht werden darf – relevant bei der Softwareauswahl für Unternehmen.

Lizenz Änderungen erlaubt Copyleft Kommerziell nutzbar
MIT ✅ Ja ❌ Nein (permissiv) ✅ Ja
Apache 2.0 ✅ Ja ❌ Nein (permissiv) ✅ Ja
GPL v3 ✅ Ja ✅ Ja (Abgeleitete Werke auch GPL) ⚠️ Eingeschränkt
LGPL ✅ Ja (Bibliothek) ⚠️ Teilweise ✅ Ja (Verlinkung erlaubt)

Merke: Copyleft bedeutet: Wer GPL-Code nutzt und verändert, muss sein abgeleitetes Werk ebenfalls unter GPL veröffentlichen. Das kann für kommerzielle Produkte problematisch sein.

Abgrenzungshilfe: Häufige Prüfungsverwechslungen

Achtung Open Source ≠ Kostenlos: Linux-Support-Verträge von Red Hat sind teuer – der Quellcode ist trotzdem öffentlich.
Achtung Freeware ≠ Open Source: Freeware hat keinen offenen Quellcode und darf nicht verändert werden.
Achtung Shareware ≠ Freeware: Shareware ist nur temporär kostenlos – danach muss bezahlt werden.
Achtung EULA ist bindend: Auch bei kostenloser Software regelt die EULA die zulässige Nutzung – Verstoß = Lizenzverletzung.
Microsoft-Umgebungen · Unternehmenslizenzierung

Client Access Licenses (CALs)

CALs berechtigen Clients (Benutzer oder Geräte) zur Nutzung von Server-Diensten (z.B. Windows Server, Exchange, SharePoint). Der Serverlizenz allein reicht nicht – für jeden Zugriff wird eine CAL benötigt.

👤

User CAL

Eine Lizenz pro Benutzer, unabhängig von der Anzahl der genutzten Geräte. Vorteilhaft wenn Mitarbeiter von mehreren Geräten auf Server zugreifen (z.B. PC + Laptop + Homeoffice).

pro Person geräteunabhängig mobiles Arbeiten
💻

Device CAL

Eine Lizenz pro Gerät, unabhängig von der Anzahl der Nutzer dieses Geräts. Vorteilhaft bei Schichtbetrieb oder geteilten Arbeitsplätzen, wo viele Nutzer an wenigen Geräten arbeiten.

pro Gerät nutzerunabhängig Schichtbetrieb
📦

External Connector License

Alternativ zu CALs: Eine einzelne Lizenz ermöglicht beliebig vielen externen Nutzern (Kunden, Partner) den Zugriff auf einen Server. Sinnvoll bei B2C-Portalen oder Extranet-Zugang für viele externe Nutzer.

externe Nutzer unbegrenzte Anzahl pro Server

CAL-Entscheidungshilfe: User CAL vs. Device CAL

Faustregel für die Prüfung: Weniger Geräte als Nutzer → Device CAL günstiger. Weniger Nutzer als Geräte → User CAL günstiger.

Szenario Empfehlung Begründung
30 Mitarbeiter, je 1 fester PC, kein Homeoffice Device CAL 1:1-Zuordnung, kostenneutral oder günstiger
50 Mitarbeiter, 20 im Schichtbetrieb an 10 PCs Device CAL Weniger Geräte als Nutzer → 10 CALs statt 50
25 Mitarbeiter, jeder nutzt PC + Laptop + Handy User CAL Mehrere Geräte pro Person → 25 CALs statt 75
B2C-Webportal mit 10.000 Kundenzugriffen External Connector Einzellizenz für alle externen Nutzer
Compliance

Lizenz-Audit

Ein Lizenz-Audit ist eine systematische Überprüfung, ob die im Unternehmen eingesetzte Software vollständig und korrekt lizenziert ist. Auslöser können interne Prüfungen oder externe Audits durch Softwarehersteller sein.

1

Software-Inventarisierung

Alle installierten Softwareprodukte auf allen Geräten erfassen. Tools: Microsoft SCCM, Lansweeper, Snipe-IT, OCS Inventory. Ergebnis: vollständiges Software-Inventar.

2

Lizenznachweise zusammenstellen

Kaufbelege, Lizenzschlüssel, Verträge, Volumenlizenz-Vereinbarungen und EULAs sammeln. Oft in einem Software Asset Management (SAM)-System gepflegt.

3

Soll-Ist-Abgleich (License Position)

Installationen mit vorhandenen Lizenzen abgleichen. Ergebnis: Underlicensing (zu wenig Lizenzen → Nachkauf erforderlich) oder Overlicensing (zu viele Lizenzen → Einsparpotenzial).

4

Maßnahmen ableiten

Bei Underlicensing: Lizenzen nachkaufen oder Software deinstallieren. Bei Overlicensing: Verträge kündigen oder Lizenzen umverteilen. Prozesse für laufendes Lizenzmanagement etablieren.

Volumenlizenzen & Rahmenverträge

  • Volume Licensing (z.B. Microsoft Open, Select): Unternehmen erwerben Lizenzen in großen Mengen zu vergünstigten Konditionen. Verwaltung über ein Lizenzportal.
  • Enterprise Agreement (EA): Rahmenvertrag für Großunternehmen (ab ~500 Geräte). Beinhaltet meist Software Assurance (Updates, Support) und vereinfachte Lizenzierung.
  • OEM-Lizenz: An ein bestimmtes Gerät gebunden, nicht übertragbar. Günstig beim Gerätekauf, aber kein Wechsel auf andere Hardware möglich.
  • Retail-Lizenz (FPP): Boxed-Version oder Download, an eine Person gebunden. Kann auf neues Gerät übertragen werden.

Merkhilfe: Typische Prüfungsfragen zu CALs & Audit

  • „Was ist der Unterschied zwischen User CAL und Device CAL?" → User: pro Person, Device: pro Gerät
  • „Wann ist eine Device CAL vorteilhaft?" → Schichtbetrieb, viele Nutzer an wenigen Geräten
  • „Was versteht man unter Underlicensing?" → Mehr Installationen als vorhandene Lizenzen → rechtliches Risiko
  • „Welche Schritte umfasst ein Lizenz-Audit?" → Inventarisierung → Lizenznachweise → Soll-Ist-Abgleich → Maßnahmen
  • „Was ist Software Asset Management (SAM)?" → Prozesse und Tools zur laufenden Verwaltung und Optimierung von Softwarelizenzen