IHK-Vorbereitung · Fachinformatiker Systemintegration
AP Teil 1 – Relevanz
AP1 + AP2
Lizenzrecht ist im Prüfungsbereich „Einrichten eines IT-gestützten Arbeitsplatzes" und im Projektteil relevant
Häufigkeit in Prüfungen
Hoch
Vergleich von Lizenzmodellen, Kosten und rechtliche Compliance sind typische Aufgabenstellungen
Grundlegende Kenntnisse zu Software-Lizenzierung werden im AP1 abgefragt. Folgende Themen sind prüfungsrelevant:
Vertieftes Wissen zu Unternehmenslizenzierung, Client Access Licenses und Audit-Prozessen.
Bei der Beschaffung von Software im Rahmen des Projekts muss das gewählte Lizenzmodell begründet und dokumentiert werden.
In der IHK-Prüfung wird häufig verlangt, Modelle zu definieren, vergleichen und für ein gegebenes Szenario das wirtschaftlich und rechtlich geeignete Modell auszuwählen.
Kaufmodell (Perpetual License)
Einmalige Zahlung für eine unbefristete Nutzungslizenz einer bestimmten Softwareversion. Updates/neue Versionen müssen separat erworben werden. Oft ergänzt durch optional buchbaren Wartungsvertrag (Software Assurance).
Abonnementmodell (Subscription / SaaS)
Regelmäßige Zahlung (monatlich/jährlich) für Nutzungsrecht. Immer aktuelle Version inklusive, meist cloudbasiert. Kein eigenes Hosting erforderlich. Nach Ablauf erlischt die Nutzungsberechtigung.
Pay-per-Use (nutzungsbasiert)
Abrechnung nach tatsächlicher Nutzung (z.B. API-Calls, GB-Daten, Stunden). Typisch bei Cloud-Diensten (AWS, Azure). Ideal bei unregelmäßigem oder schwer vorhersehbarem Bedarf. Kosten schwer planbar.
Typisches Format für Prüfungsaufgaben: Modell für ein Szenario auswählen und begründen.
| Kriterium | Kauf | Abo | Pay-per-Use |
|---|---|---|---|
| Kosten | Hohe Einmalzahlung | Laufende Fixkosten | Variable Kosten |
| Updates | Kostenpflichtig / optional | Inklusive | Inklusive |
| Skalierbarkeit | Gering | Mittel (Lizenzen zukaufen) | Sehr hoch |
| Planbarkeit | Hoch | Hoch | Gering |
| Geeignet für | Stabiler, dauerhafter Bedarf | Regelmäßige Nutzung, Teams | Schwankende / seltene Nutzung |
Eine häufige Prüfungsfalle: Open Source ist nicht gleich kostenlos – es geht um die Verfügbarkeit des Quellcodes und die Nutzungsrechte, nicht den Preis.
Open Source Software (OSS)
Quellcode ist öffentlich zugänglich. Nutzung, Veränderung und Weitergabe sind erlaubt – aber unter Bedingungen der jeweiligen Lizenz. Wichtige Lizenzen: GPL, MIT, Apache, LGPL.
Freeware
Kostenlos nutzbar, aber kein Quellcode verfügbar und keine Änderungen erlaubt. Urheberrecht bleibt beim Hersteller. Häufig für Privatnutzer kostenlos, aber kommerzielle Nutzung eingeschränkt.
Kommerzielle / Proprietäre Software
Kostenpflichtige Software mit geschlossenem Quellcode. Nutzung ist per EULA (End User License Agreement) geregelt und auf bestimmte Zwecke/Geräte beschränkt. Kein Recht zur Weitergabe ohne Erlaubnis.
Shareware / Demoware
Zeitlich oder funktional eingeschränkte Testversion. Nach Ablauf wird eine Kauflizenz fällig. Nicht mit Freeware verwechseln – Shareware ist nur temporär kostenlos nutzbar.
Die Lizenz bestimmt, was mit dem Code gemacht werden darf – relevant bei der Softwareauswahl für Unternehmen.
| Lizenz | Änderungen erlaubt | Copyleft | Kommerziell nutzbar |
|---|---|---|---|
| MIT | ✅ Ja | ❌ Nein (permissiv) | ✅ Ja |
| Apache 2.0 | ✅ Ja | ❌ Nein (permissiv) | ✅ Ja |
| GPL v3 | ✅ Ja | ✅ Ja (Abgeleitete Werke auch GPL) | ⚠️ Eingeschränkt |
| LGPL | ✅ Ja (Bibliothek) | ⚠️ Teilweise | ✅ Ja (Verlinkung erlaubt) |
Merke: Copyleft bedeutet: Wer GPL-Code nutzt und verändert, muss sein abgeleitetes Werk ebenfalls unter GPL veröffentlichen. Das kann für kommerzielle Produkte problematisch sein.
CALs berechtigen Clients (Benutzer oder Geräte) zur Nutzung von Server-Diensten (z.B. Windows Server, Exchange, SharePoint). Der Serverlizenz allein reicht nicht – für jeden Zugriff wird eine CAL benötigt.
User CAL
Eine Lizenz pro Benutzer, unabhängig von der Anzahl der genutzten Geräte. Vorteilhaft wenn Mitarbeiter von mehreren Geräten auf Server zugreifen (z.B. PC + Laptop + Homeoffice).
Device CAL
Eine Lizenz pro Gerät, unabhängig von der Anzahl der Nutzer dieses Geräts. Vorteilhaft bei Schichtbetrieb oder geteilten Arbeitsplätzen, wo viele Nutzer an wenigen Geräten arbeiten.
External Connector License
Alternativ zu CALs: Eine einzelne Lizenz ermöglicht beliebig vielen externen Nutzern (Kunden, Partner) den Zugriff auf einen Server. Sinnvoll bei B2C-Portalen oder Extranet-Zugang für viele externe Nutzer.
Faustregel für die Prüfung: Weniger Geräte als Nutzer → Device CAL günstiger. Weniger Nutzer als Geräte → User CAL günstiger.
| Szenario | Empfehlung | Begründung |
|---|---|---|
| 30 Mitarbeiter, je 1 fester PC, kein Homeoffice | Device CAL | 1:1-Zuordnung, kostenneutral oder günstiger |
| 50 Mitarbeiter, 20 im Schichtbetrieb an 10 PCs | Device CAL | Weniger Geräte als Nutzer → 10 CALs statt 50 |
| 25 Mitarbeiter, jeder nutzt PC + Laptop + Handy | User CAL | Mehrere Geräte pro Person → 25 CALs statt 75 |
| B2C-Webportal mit 10.000 Kundenzugriffen | External Connector | Einzellizenz für alle externen Nutzer |
Ein Lizenz-Audit ist eine systematische Überprüfung, ob die im Unternehmen eingesetzte Software vollständig und korrekt lizenziert ist. Auslöser können interne Prüfungen oder externe Audits durch Softwarehersteller sein.
Software-Inventarisierung
Alle installierten Softwareprodukte auf allen Geräten erfassen. Tools: Microsoft SCCM, Lansweeper, Snipe-IT, OCS Inventory. Ergebnis: vollständiges Software-Inventar.
Lizenznachweise zusammenstellen
Kaufbelege, Lizenzschlüssel, Verträge, Volumenlizenz-Vereinbarungen und EULAs sammeln. Oft in einem Software Asset Management (SAM)-System gepflegt.
Soll-Ist-Abgleich (License Position)
Installationen mit vorhandenen Lizenzen abgleichen. Ergebnis: Underlicensing (zu wenig Lizenzen → Nachkauf erforderlich) oder Overlicensing (zu viele Lizenzen → Einsparpotenzial).
Maßnahmen ableiten
Bei Underlicensing: Lizenzen nachkaufen oder Software deinstallieren. Bei Overlicensing: Verträge kündigen oder Lizenzen umverteilen. Prozesse für laufendes Lizenzmanagement etablieren.