IHK-Vorbereitung · Fachinformatiker Systemintegration
Prüfungsrelevanz
AP1 + AP2
Dimensionierung, Typen, Vor- und Nachteile, Leistungsrechnung
Häufigkeit in alten Prüfungen
★★★★☆
Berechnungsaufgaben kommen regelmäßig vor – Formeln sitzen müssen!
Eine Unterbrechungsfreie Stromversorgung (USV) schützt IT-Systeme vor Stromausfällen, Spannungsschwankungen und anderen Netzstörungen. Sie überbrückt den Zeitraum zwischen Netzausfall und dem Hochfahren eines Notstromaggregats oder dem geordneten Herunterfahren der Systeme.
Die USV ist eine klassische infrastrukturelle Schutzmaßnahme zur Sicherstellung der Verfügbarkeit. Im Kontext der IHK-Prüfung wird das gerne verknüpft:
Die internationale Norm IEC 62040-3 klassifiziert USV-Anlagen in drei Klassen:
Elektrische Leistung
P = U × I
P = Wirkleistung [W] | U = Spannung [V] | I = Stromstärke [A]
Scheinleistung (VA)
S = U × I [VA]
Scheinleistung in Voltampere – wird auf USV-Geräten angegeben (z.B. „1000 VA"). S ≥ P (immer!)
Wirkleistung aus Scheinleistung
P = S × cos(φ) [W]
cos(φ) = Leistungsfaktor (Power Factor). Typisch für IT-Lasten: cos(φ) ≈ 0,6–0,9.
Faustregel IHK: cos(φ) = 0,6 wenn nicht anders angegeben → P = S × 0,6
Energie (Batterie)
E = P × t [Wh]
E = Energie [Wh] | P = Leistung [W] | t = Zeit [h]
Batteriekapazität in Amperestunden
C = I × t [Ah]
C = Kapazität [Ah] | I = Entladestrom [A] | t = Entladezeit [h]
Entladestrom berechnen
I = P / U_Batterie [A]
P = Wirkleistung der Last [W] | U_Batterie = Batteriespannung [V]
Typische USV-Batteriespannungen: 12 V, 24 V, 48 V
Benötigte Kapazität für Überbrückungszeit
C_benötigt = I × t_überbrückung
Mit Sicherheitsfaktor (empfohlen): C_real = C_benötigt / η
η = Wirkungsgrad der USV (typisch 0,85–0,95, Prüfung: wenn nicht angegeben → 0,9)
Überbrückungszeit aus gegebener Kapazität
t = C × U_Batterie / P [h]
Umgestellt: t = (C [Ah] × U_Batterie [V]) / P [W]
Ergebnis in Stunden → × 60 für Minuten
Gesamtlast (Wirkleistung) aller zu schützenden Geräte addieren
P_gesamt = P_Server1 + P_Server2 + P_Switch + … [W]
Scheinleistungsbedarf berechnen
S_bedarf = P_gesamt / cos(φ) [VA] – oder alternativ: S = P / 0,6
Sicherheitspuffer einplanen (mind. 20–30 %)
S_USV ≥ S_bedarf × 1,25 (25 % Reservepuffer)
USV-Klasse auswählen (je nach Schutzbedarf)
Normal → VFD; Hoch → VI; Sehr hoch / RZ → VFI (Online)
Batterie auf gewünschte Überbrückungszeit prüfen
t = (C [Ah] × U_Batt [V]) / P_gesamt [W] → Ergebnis in Stunden
Tatsächliche Last unter Berücksichtigung des Wirkungsgrads
P_eff = P_Last / η = 300 W / 0,9 = 333,3 W
Die USV muss mehr Leistung aus der Batterie entnehmen, als die Last verbraucht, da sie selbst Verluste hat.
Entladestrom berechnen
I = P_eff / U_Batt = 333,3 W / 48 V ≈ 6,94 A
Überbrückungszeit berechnen
t = C / I = 7 Ah / 6,94 A ≈ 1,009 h ≈ 60,5 Minuten
💡 Kurzformel: t = (C × U_Batt) / P_Last = (7 × 48) / 333,3 = 1,008 h
Gesamtwirkleistung addieren
P_gesamt = 2×350 + 80 + 120 = 700 + 80 + 120 = 900 W
Scheinleistungsbedarf berechnen
S = P / cos(φ) = 900 W / 0,7 ≈ 1285,7 VA
Sicherheitspuffer (25 %) einrechnen
S_min = 1285,7 VA × 1,25 ≈ 1607 VA
Zeit in Stunden umrechnen
t = 20 min / 60 = 0,333 h
Effektive Leistung (inkl. USV-Verluste)
P_eff = 500 W / 0,85 ≈ 588,2 W
Entladestrom berechnen
I = P_eff / U_Batt = 588,2 / 24 ≈ 24,5 A
Kapazität berechnen
C = I × t = 24,5 A × 0,333 h ≈ 8,16 Ah
Gib die Werte ein und berechne die Überbrückungszeit deiner USV:
🔋 Überbrückungszeit: – Minuten
⚡ Entladestrom: – A
📊 Effektive Last (mit Verlusten): – W
| Merkmal | VFD (Offline) | VI (Line-Interactive) | VFI (Online) |
|---|---|---|---|
| Normbezeichnung | VFD (Voltage & Frequency Dependent) | VI (Voltage Independent) | VFI (Voltage & Frequency Independent) |
| Funktionsprinzip | Im Normalbetrieb direkt am Netz; Batterie nur bei Ausfall | Spannungsregelung durch Trafo; Batterie bei Ausfall | Strom fließt immer durch USV (Doppelwandlung AC→DC→AC) |
| Umschaltzeit | 4–10 ms (nicht überbrückungslos) | 2–4 ms | 0 ms (unterbrechungslos, immer aktiv) |
| Schutz vor | Stromausfall | Ausfall + Spannungsschwankungen | Alle Netzstörungen inkl. Frequenz, Oberwellen |
| Wirkungsgrad | Sehr gut ~99% | Gut ~95–98% | Mittel ~85–95% |
| Kosten | Günstig | Mittel | Teuer |
| Typischer Einsatz | Heimnetzwerk, einzelne PCs | KMU-Netzwerke, kleinere Server | Rechenzentren, Krankenhäuser, kritische Infrastruktur |
| Typ | Vorteile | Nachteile | Einsatz |
|---|---|---|---|
| VRLA / AGM (Valve Regulated Lead-Acid) |
Günstig, wartungsfrei, robust | Schwer, begrenzte Zyklenanzahl, temperatursensibel | Standard-USV bis ca. 10 kVA |
| Li-Ion | Leicht, lange Lebensdauer (8–10 Jahre), schnell ladbar | Teuer, Brandrisiko bei Fehlfunktion | Moderne RZ-USV, kompakte Systeme |
| NiCd | Temperaturstabil (–20°C bis +60°C) | Memory-Effekt, Cadmium = Sondermüll, teuer | Industrielle Sonderanwendungen |
1. Eine USV hat eine Scheinleistung von 1500 VA. Der Leistungsfaktor beträgt 0,6. Wie groß ist die maximale Wirkleistung?
2. Was bedeutet die Abkürzung „VFI" laut IEC 62040-3?
3. Eine Batterie hat 12 Ah bei 24 V. Die angeschlossene Last beträgt 200 W. Der Wirkungsgrad der USV ist 100 % (vereinfacht). Wie lang ist die Überbrückungszeit in Minuten?
4. Welche USV-Topologie hat eine Umschaltzeit von 0 ms?
5. Zu welchem Schutzziel der IT-Sicherheit trägt eine USV primär bei?
6. Wie viele Ah Batteriekapazität werden benötigt, um 400 W Last für 15 Minuten bei 48 V und η = 0,9 zu überbrücken?