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Tag 18: Wirtschaft & Recht

IHK-Vorbereitung · Fachinformatiker Systemintegration

Tag 18: Wirtschaft & Recht

Arbeitsrecht – Grundbegriffe

Der Arbeitsvertrag

Ein Arbeitsvertrag kommt durch Angebot und Annahme zustande (§ 145 ff. BGB). Er ist grundsätzlich formfrei, jedoch muss der Arbeitgeber nach dem Nachweisgesetz die wesentlichen Vertragsbedingungen schriftlich festhalten.

  • Pflichtangaben: Name/Adresse beider Parteien, Beginn, Arbeitsort, Tätigkeit, Arbeitszeit, Vergütung, Urlaub, Kündigungsfristen
  • Probezeit: max. 6 Monate; Kündigung beidseitig mit 2 Wochen möglich
  • Befristung: sachgrundlos max. 2 Jahre (TzBfG); mit Sachgrund länger möglich
Kündigung

Kündigungsarten im Überblick

📄

Ordentliche Kündigung

Fristgerecht, mit gesetzlicher oder vertraglicher Kündigungsfrist. Ab 2 Jahren Betriebszugehörigkeit gelten gestaffelte Fristen (§ 622 BGB). Schriftform zwingend.

Außerordentliche (fristlose) Kündigung

Nur bei wichtigem Grund (§ 626 BGB), z.B. Diebstahl, Arbeitsverweigerung. Frist: 2 Wochen ab Kenntnis des Grundes.

🤝

Aufhebungsvertrag

Einvernehmliche Beendigung. Schriftform nötig. Achtung: kann zu Sperrzeit beim ALG I führen (12 Wochen).

⚠️

Kündigungsschutz

Gilt ab 10 Arbeitnehmern und nach 6 Monaten Betriebszugehörigkeit (KSchG). Besonderer Schutz für Schwangere, Betriebsräte, Schwerbehinderte.

Tarifrecht

Tarifvertrag & Betriebsrat

  • Tarifvertrag: Vereinbarung zwischen Gewerkschaft und Arbeitgeberverband über Lohn, Arbeitszeit, Urlaub etc. Gilt unmittelbar für Mitglieder beider Seiten.
  • Allgemeinverbindlichkeit: Bundesarbeitsminister kann Tarifverträge auf alle Arbeitnehmer der Branche ausdehnen.
  • Günstigkeitsprinzip: Abweichungen vom Tarifvertrag sind nur zugunsten des Arbeitnehmers erlaubt.
  • Betriebsrat: Arbeitnehmervertretung im Betrieb ab 5 Beschäftigten möglich. Mitbestimmungsrechte u.a. bei Arbeitszeiten, Einstellungen, sozialen Angelegenheiten (BetrVG).
  • Mindestlohn: Gesetzlicher Mindestlohn gilt für alle Arbeitnehmer; Tarifvertrag kann höher, aber nicht niedriger liegen.
Prüfungs-Merkhilfe

Typische Prüfungsfragen Arbeitsrecht

  • „Nennen Sie 3 Pflichtangaben im Arbeitsvertrag" → Beginn, Tätigkeit, Vergütung etc.
  • „Was versteht man unter dem Günstigkeitsprinzip?" → Abweichung vom Tarifvertrag nur zugunsten des AN
  • „Ab wann gilt das KSchG?" → ab 10 AN im Betrieb, nach 6 Monaten Beschäftigung
  • „Was ist der Unterschied zwischen ordentlicher und außerordentlicher Kündigung?" → Frist vs. wichtiger Grund, sofortige Wirkung
Unternehmensformen

Rechtsformen im Überblick

RechtsformHaftungMindestkapitalBesonderheit
Einzelunternehmenunbeschränkt, privatkeineseinfache Gründung
GbRunbeschränkt, alle Gesellschafterkeinesmind. 2 Personen
GmbHbeschränkt auf Gesellschaftsvermögen25.000 €häufigste Kapitalgesellschaft
AGbeschränkt auf Gesellschaftsvermögen50.000 €börsennotierbar
UGbeschränkt1 €„Mini-GmbH", Rücklage Pflicht
Markt & Wettbewerb

Marktformen

Anbieter \ NachfragerEinerWenigeViele
EinerBilaterales MonopolBeschränktes MonopolMonopol
WenigeNachfrageoligopolBilaterales OligopolOligopol
VieleNachfragemonopolNachfrageoligopolPolypol (Idealmarkt)

In der Prüfung oft: Oligopol (wenige Anbieter, z.B. Mobilfunk) und Monopol (ein Anbieter, z.B. Deutsche Bahn Schienennetz) erkennen und Konsequenzen für Preisgestaltung benennen.

Wirtschaftskreislauf

Einfacher & erweiterter Wirtschaftskreislauf

  • Einfacher Kreislauf: Haushalte ↔ Unternehmen. Haushalte bieten Arbeit an, erhalten Lohn; kaufen damit Güter von Unternehmen.
  • Erweiterter Kreislauf: + Staat (Steuern, Subventionen, öffentliche Güter), + Banken (Sparen, Kredit), + Ausland (Export/Import)
  • Prüfungsrelevant: Welche Rolle spielt der Staat? (Stabilitätsgesetz: Preisstabilität, hoher Beschäftigungsstand, außenwirtschaftliches Gleichgewicht, angemessenes Wachstum = „Magisches Viereck")
Prüfungs-Merkhilfe

Typische Prüfungsfragen Betrieb & Markt

  • „Wie haftet ein GmbH-Gesellschafter?" → nur mit dem Gesellschaftsvermögen, nicht privat
  • „Was ist ein Oligopol?" → wenige Anbieter, viele Nachfrager (z.B. Mobilfunkmarkt)
  • „Nennen Sie die Ziele des Magischen Vierecks" → Preisstabilität, Vollbeschäftigung, Wachstum, außenwirtschaftliches Gleichgewicht
Investition & Finanzierung

Finanzierungsarten

💰

Eigenfinanzierung

Einlagen der Eigentümer oder einbehaltene Gewinne (Selbstfinanzierung). Kein Zinsaufwand, keine Rückzahlungspflicht.

🏦

Fremdfinanzierung

Kredite (Bankdarlehen, Lieferantenkredit), Anleihen. Zinskosten, Rückzahlungspflicht, aber steuerlich absetzbar.

📦

Leasing vs. Kauf

Leasing: monatliche Rate, kein Eigentum, Liquidität bleibt erhalten. Kauf: Eigentum, Abschreibung, höhere Anfangsauszahlung. In der IT-Praxis: Server-Leasing vs. Eigenkauf häufige Prüfungsfrage.

Betriebliche Kennzahlen

Wichtige Kennzahlen – Formeln & Bedeutung

KennzahlFormelAussage
EigenkapitalquoteEK ÷ Gesamtkapital × 100Finanzielle Stabilität; je höher, desto unabhängiger
Liquidität 1. GradesZahlungsmittel ÷ kurzfr. Verbindlichkeiten × 100Sofortige Zahlungsfähigkeit; Richtwert ≥ 20%
UmsatzrentabilitätGewinn ÷ Umsatz × 100Wie viel Gewinn pro € Umsatz?
UmschlagshäufigkeitJahresverbrauch ÷ Ø LagerbestandWie oft wird das Lager pro Jahr umgeschlagen?
Durchschn. Lagerdauer360 ÷ UmschlagshäufigkeitWie viele Tage liegt Ware im Schnitt im Lager?
Kosten & Break-even

Kosten- und Gewinnrechnung

  • Fixkosten: Fallen unabhängig von der Produktionsmenge an (Miete, Gehälter)
  • Variable Kosten: Steigen mit der Produktionsmenge (Material, Energie)
  • Gesamtkosten: Fixkosten + Variable Kosten
  • Deckungsbeitrag: Umsatz − Variable Kosten. Zeigt, wie viel zur Deckung der Fixkosten bleibt.
  • Break-even-Point: Umsatz = Gesamtkosten → kein Gewinn, kein Verlust. Formel: Fixkosten ÷ Deckungsbeitrag je Stück
Prüfungs-Merkhilfe

Typische Prüfungsfragen Finanzen

  • „Berechnen Sie den Deckungsbeitrag" → Umsatz − variable Kosten
  • „Was ist der Vorteil von Leasing gegenüber Kauf?" → Liquidität bleibt erhalten, kein Kapitaleinsatz
  • „Was sagt die Eigenkapitalquote aus?" → Anteil des Eigenkapitals am Gesamtkapital; Maß für finanzielle Unabhängigkeit
📌 Die 5 Säulen der Sozialversicherung sind für die IHK-Prüfung relevant – insb. Beitragsaufteilung AG/AN, Leistungen und Unterschied gesetzlich/privat.
Übersicht: Die 5 Säulen

Sozialversicherungsbeiträge 2024 (ca.)

🏥 Krankenversicherung ~16,3% gesamt AN + AG je ~8,15% + individ. Zusatzbeitrag. GKV-Pflicht bis ~69.300 €/Jahr; darüber PKV-Option.
👴 Rentenversicherung 18,6% gesamt AN + AG je 9,3%. Altersrente ab 67, Erwerbsminderungsrente, Hinterbliebenenrente. Rentenpunkte sammeln.
🤕 Unfallversicherung nur AG zahlt Einzige Säule ohne AN-Anteil. Deckt Arbeitsunfälle, Wegeunfälle, Berufskrankheiten. Träger: Berufsgenossenschaften.
🪑 Pflegeversicherung 3,4% gesamt AN + AG je 1,7%. Kinderlose zahlen 0,6% Zuschlag. Pflegegrad 1–5. Deckt Heimkosten nur anteilig!
😔 Arbeitslosenversicherung 2,6% gesamt AN + AG je 1,3%. ALG I: 60% des letzten Netto (67% mit Kind), max. 24 Monate. Erst nach 12 Monaten Einzahlung.
Details & Fallstricke

Was man wirklich wissen muss

📊

Beitragsbemessungsgrenzen

Ab einem bestimmten Gehalt werden Beiträge gedeckelt. KV/PV: 5.175 €/Monat. RV/AV: 7.550 €/Monat (West). Wer mehr verdient, zahlt nicht mehr mehr – aber bekommt auch keine höheren Leistungen.

🔄

GKV vs. PKV

GKV: einkommensabhängiger Beitrag, Familienversicherung kostenlos. PKV: Beitrag nach Risiko/Alter, bessere Leistungen, kein Familienbonus. Wechsel zurück zur GKV im Alter schwierig.

⚠️

Minijob-Besonderheit

Minijobber (bis 538 €/Monat) zahlen kaum eigene Beiträge, sammeln aber auch kaum Rentenansprüche. Befreiung von RV-Pflicht möglich, aber meist nicht empfehlenswert.

🏢

Selbstständige

Nicht automatisch pflichtversichert in RV und KV. Müssen selbst für Absicherung sorgen. Freiwillige GKV oder PKV. RV: freiwillig oder Pflicht in bestimmten Branchen.

Gehaltsabzüge – Praxisbeispiel

Was bleibt netto vom Brutto?

Beispiel: 3.500 € Brutto, Steuerklasse I, keine Kinder

AbzugCa. BetragTräger
Lohnsteuer + Soli~530 €nur AN
Krankenversicherung~286 €AN + AG je ~143 €
Rentenversicherung~326 €AN + AG je ~163 €
Pflegeversicherung~60 €AN + AG je ~30 €
Arbeitslosenversicherung~46 €AN + AG je ~23 €
Netto (ca.)~2.250 €
Prüfungs-Merkhilfe

Typische Prüfungsfragen Sozialversicherung

  • „Welche Sozialversicherungszweige gibt es?" → KV, RV, UV, PV, AV
  • „Bei welcher Sozialversicherung zahlt nur der Arbeitgeber?" → Unfallversicherung
  • „Was ist der Unterschied zwischen GKV und PKV?" → einkommensabhängig vs. risikoabhängig; Familienversicherung nur GKV
  • „Wie lange wird ALG I gezahlt und wie viel?" → max. 24 Monate, 60% (67% mit Kind) des letzten Nettogehalts
  • „Was versteht man unter der Beitragsbemessungsgrenze?" → Einkommensgrenze, ab der keine weiteren Beiträge anfallen
Arbeitsschutz

Rechtliche Grundlagen Arbeitsschutz

  • Arbeitsschutzgesetz (ArbSchG): Pflicht des AG, Gefährdungsbeurteilungen durchzuführen und geeignete Schutzmaßnahmen zu ergreifen.
  • Arbeitsstättenverordnung (ArbStättV): Regelungen zu Raumgröße, Beleuchtung, Lärm, Ergonomie am Bildschirmarbeitsplatz.
  • Bildschirmarbeitsplatz: Regelmäßige Pausen/Tätigkeitswechsel (§ 5 ArbStättV), Augenuntersuchung auf Wunsch des AN, ergonomische Gestaltung.
  • DGUV-Vorschriften: Unfallverhütungsvorschriften der Berufsgenossenschaften, branchenspezifisch.
  • Gefahrstoffverordnung: Kennzeichnung, Lagerung und Umgang mit gefährlichen Stoffen (relevant z.B. für Toner, Batterien in der IT).
Umweltschutz in der IT

Relevante Gesetze & Normen

♻️

ElektroG – Elektro- und Elektronikgerätegesetz

Hersteller und Händler müssen Altgeräte kostenlos zurücknehmen. Verbraucher dürfen Elektroschrott nicht im Hausmüll entsorgen. Gilt für PCs, Monitore, Drucker etc.

🔋

BattG – Batteriegesetz

Batterien und Akkus müssen getrennt gesammelt und recycelt werden. Rücknahmepflicht für Händler. Für IT relevant: Laptop-Akkus, USV-Batterien.

🌍

Energieeffizienz & Green IT

Energieverbrauch von Rechenzentren und IT-Infrastruktur. Kennzahl: PUE (Power Usage Effectiveness) = Gesamtenergie RZ ÷ IT-Energie. Ideal: PUE = 1,0. Maßnahmen: Virtualisierung, effiziente Kühlung, Abschalten nicht genutzter Geräte.

Gesundheitsschutz am Arbeitsplatz

Ergonomie & Bildschirmarbeit

  • Monitorabstand: mind. 50–70 cm
  • Bildschirmhöhe: Oberkante auf Augenhöhe oder leicht darunter
  • Beleuchtung: 500 Lux am Arbeitsplatz, kein Blendlicht auf dem Bildschirm
  • Pausen: Nach spätestens 60 Min. Bildschirmarbeit kurze Pause oder Tätigkeitswechsel empfohlen
  • Lärm: Max. 55 dB(A) bei geistiger Arbeit (Büro); ab 85 dB(A) Gehörschutzpflicht
  • Raumtemperatur: 20–22°C als Richtwert für Bürotätigkeit (ArbStättV)
Prüfungs-Merkhilfe

Typische Prüfungsfragen Sicherheit & Umwelt

  • „Welches Gesetz regelt die Rücknahme alter Computer?" → ElektroG
  • „Was versteht man unter einer Gefährdungsbeurteilung?" → Systematische Analyse von Risiken am Arbeitsplatz durch den AG (ArbSchG)
  • „Was ist PUE?" → Power Usage Effectiveness; Maß für Energieeffizienz eines Rechenzentrums
  • „Welche Maßnahmen fallen unter Green IT?" → Virtualisierung, energiesparende Hardware, Abwärmenutzung, effiziente Kühlung