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Tag 2: Netzwerke & Protokolle

IHK-Vorbereitung · Fachinformatiker Systemintegration

Tag 2: Netzwerke & Protokolle

Schichten

7

Aufgeteilt in anwendungs- und transportorientierte Schichten

Entwickelt von

ISO

International Organization for Standardization, 1984 veröffentlicht

Referenzmodell

Was ist das OSI-Modell?

Das OSI-Modell (Open Systems Interconnection) ist ein Referenzmodell zur Beschreibung von Netzwerkkommunikation. Es teilt die Kommunikation in 7 Schichten auf, sodass Protokolle und Geräte herstellerunabhängig interoperabel sind. In der Praxis nutzt man TCP/IP – das OSI-Modell bleibt aber das Standard-Beschreibungsmodell in der IHK-Prüfung.

⚠️ Merksatz von oben nach unten: „Alle deutschen Studenten trinken verschiedene Sorten Bier" (Anwendung, Darstellung, Sitzung, Transport, Vermittlung, Sicherung, Bitübertragung)
⚠️ Merksatz von unten nach oben: „Bitte sende täglich viele schöne Dankeskarten aus"

Die 7 Schichten – interaktiv (anklicken für Details)

💡 Klicke auf eine Schicht, um Protokolle, Geräte und Aufgaben zu sehen.

7
🌐

Anwendungsschicht

Application Layer

Daten
Aufgabe: Stellt Dienste direkt für Anwendungen bereit. Schnittstelle zwischen Netzwerk und Anwendungssoftware.

Protokolle:
HTTP / HTTPS FTP / SFTP SMTP POP3 IMAP DNS DHCP SNMP Telnet / SSH
6
🔄

Darstellungsschicht

Presentation Layer

Daten
Aufgabe: Übersetzt Daten in ein einheitliches Format, kümmert sich um Kodierung, Komprimierung und Verschlüsselung.

Beispiele / Protokolle:
TLS / SSL JPEG, PNG, GIF ASCII / Unicode MPEG

💡 In der Praxis wird diese Schicht oft mit Schicht 7 zusammengefasst.

5
🔗

Sitzungsschicht

Session Layer

Daten
Aufgabe: Aufbau, Verwaltung und geordneter Abbau von Kommunikationssitzungen zwischen zwei Systemen. Synchronisation und Wiederherstellung nach Verbindungsabbruch.

Protokolle / Konzepte:
NetBIOS RPC PPTP SIP (VoIP)
4
🚚

Transportschicht

Transport Layer

Segment / Datagramm
Aufgabe: Ende-zu-Ende-Kommunikation zwischen Prozessen (via Ports). Fehlerkorrektur, Flusskontrolle, Segmentierung.

Protokolle:
TCP UDP

TCP: verbindungsorientiert, zuverlässig, Bestätigung (ACK), 3-Way-Handshake  |  UDP: verbindungslos, schnell, kein Fehlerhandling

3
🗺️

Vermittlungsschicht

Network Layer

Paket
Aufgabe: Logische Adressierung (IP-Adressen) und Wegewahl (Routing) über Netzwerkgrenzen hinweg.

Protokolle:
IP (IPv4 / IPv6) ICMP OSPF BGP ARP*
Geräte:
Router Layer-3-Switch

*ARP arbeitet zwischen Schicht 2 und 3 (Grenzbereich)

2
🔌

Sicherungsschicht

Data Link Layer

Frame (Rahmen)
Aufgabe: Gesicherte Übertragung zwischen direkt verbundenen Knoten. Physische Adressierung (MAC-Adressen), Fehlererkennung (CRC), Zugriffskontrolle (MAC).

Protokolle / Standards:
Ethernet (IEEE 802.3) WLAN (IEEE 802.11) PPP VLAN (802.1Q)
Geräte:
Switch Bridge Access Point
1

Bitübertragungsschicht

Physical Layer

Bit
Aufgabe: Physikalische Übertragung von Bits (0/1) über ein Medium. Legt Stecker, Kabel, Signalpegel, Frequenzen und Leitungscodierung fest.

Medien / Standards:
Ethernet (Kabel) Glasfaser DSL Bluetooth USB
Geräte:
Hub Repeater Kabel / Stecker / NIC

Typische IHK-Prüfungsfragen zum OSI-Modell

  • „Welchem OSI-Layer ist ein Router/Switch/Hub zuzuordnen?" → Router: 3, Switch: 2, Hub: 1
  • „In welcher Schicht arbeitet das IP-Protokoll?" → Schicht 3
  • „Wie heißt die PDU auf Schicht 4?" → Segment (TCP) / Datagramm (UDP)
  • „Was ist die Aufgabe der Transportschicht?" → Ende-zu-Ende-Kommunikation, Ports, Fehlerkontrolle
  • „Welche Adresse wird auf Schicht 2 verwendet?" → MAC-Adresse

Schichten

4

Praxisnahes Modell, Grundlage des Internets

Standardisierung

IETF

Internet Engineering Task Force (RFC-Dokumente)

Praxismodell

TCP/IP-Modell vs. OSI-Modell

Das TCP/IP-Modell ist das in der Praxis verwendete Modell für das Internet. Es hat 4 Schichten und fasst mehrere OSI-Schichten zusammen. In der IHK-Prüfung wird häufig die Zuordnung von OSI zu TCP/IP abgefragt.

ℹ️ Das OSI-Modell = Lehrmodell zur Beschreibung. Das TCP/IP-Modell = Implementierungsmodell der Praxis.

Schichtenvergleich: OSI ↔ TCP/IP

OSI-Modell

7 – Anwendung
6 – Darstellung
5 – Sitzung
4 – Transport
3 – Vermittlung
2 – Sicherung
1 – Bitübertragung

TCP/IP-Modell

Anwendungsschicht
(Application Layer)
Transportschicht
(Transport Layer)
Internetschicht
(Internet Layer)

Die 4 TCP/IP-Schichten im Detail

4

Anwendungsschicht (Application Layer)

Entspricht OSI-Schicht 5, 6, 7. Enthält alle Protokolle, die direkt mit Anwendungen interagieren: HTTP, HTTPS, FTP, SMTP, DNS, DHCP, SSH, Telnet, SNMP, POP3, IMAP.

3

Transportschicht (Transport Layer)

Entspricht OSI-Schicht 4. Protokolle: TCP (verbindungsorientiert, zuverlässig) und UDP (verbindungslos, schnell). Identifikation von Diensten über Portnummern.

2

Internetschicht (Internet Layer)

Entspricht OSI-Schicht 3. Protokolle: IP (IPv4/IPv6), ICMP (Ping), ARP, OSPF, BGP. Zuständig für logische Adressierung und Routing.

1

Netzzugangsschicht (Network Access Layer)

Entspricht OSI-Schicht 1 und 2. Physikalische Übertragung + Rahmenbildung (Frames). Standards: Ethernet (802.3), WLAN (802.11), PPP. Geräte: Switch, Hub, NIC.

TCP: Der 3-Wege-Handshake

Vor jeder TCP-Verbindung wird der 3-Way-Handshake durchgeführt. Prüfungsrelevant!

1

SYN – Client sendet Verbindungsanfrage (synchronize sequence number)

2

SYN-ACK – Server bestätigt die Anfrage und sendet eigene SYN

3

ACK – Client bestätigt die Annahme → Verbindung ist aufgebaut

ℹ️ TCP garantiert: Reihenfolge, Vollständigkeit, Fehlerkorrektur. UDP ist schneller, aber ohne diese Garantien (z.B. für Streaming, DNS, VoIP sinnvoll).

Identifikation

5-Tupel

Eindeutige Kennzeichnung einer TCP-Verbindung

Socket-Definition

IP + Port

Die Endstelle einer Kommunikationsverbindung

Prüfungswissen

Was ist ein Socket?

Ein Socket ist die logische Endstelle einer Netzwerkverbindung. In der Praxis der Systemintegration begegnet dir das ständig bei der Konfiguration von Firewalls oder Diensten.

Formel: Socket = IP-Adresse : Portnummer
Beispiel: 192.168.178.10:443 (Ein HTTPS-Socket auf einem Webserver)

Das TCP 5-Tupel (Eindeutigkeit)

Damit ein Betriebssystem mehrere gleichzeitige Verbindungen zum selben Server (z.B. mehrere Browser-Tabs zu Google) unterscheiden kann, braucht es mehr als nur die Ziel-IP. Eine Verbindung wird durch fünf Werte eindeutig definiert:

Komponente Bedeutung / Beispiel
1. Quell-IP Die IP deines Clients (z.B. 10.0.0.5)
2. Quell-Port Ein dynamischer Port (Ephemeral Port), z.B. 54321
3. Ziel-IP Die IP des Servers (z.B. 8.8.8.8)
4. Ziel-Port Der Dienst-Port (z.B. 443 für HTTPS)
5. Protokoll In diesem Fall immer TCP (oder UDP)

Wichtig für die Praxis (FiSi)

  • Ephemeral Ports: Clients nutzen für ausgehende Verbindungen Ports im Bereich von meist 49152 bis 65535.
  • Netstat / SS: Mit den Befehlen netstat -an oder ss -tulpen kannst du aktive Sockets auf einem Server prüfen.
  • Port-Exhaustion: Wenn ein Server zu viele Verbindungen öffnet und keine Quell-Ports mehr frei sind, schlagen neue Verbindungen fehl.
Überblick

Wichtige Protokolle mit Schicht & Port

Für die IHK-Prüfung musst du Protokolle der richtigen OSI- bzw. TCP/IP-Schicht zuordnen und die wichtigsten Portnummern kennen.

ℹ️ Eselsbrücke Ports: HTTP 80, HTTPS 443, FTP 21, SSH 22, SMTP 25, DNS 53, DHCP 67/68
Protokoll OSI-Schicht TCP/IP-Schicht Port Funktion
HTTP 7 – Anwendung Anwendung 80TCP Webseiten übertragen (unverschlüsselt)
HTTPS 7 – Anwendung Anwendung 443TCP Webseiten verschlüsselt (via TLS)
FTP 7 – Anwendung Anwendung 21TCP Dateiübertragung (Steuerkanal 21, Daten 20)
SSH 7 – Anwendung Anwendung 22TCP Verschlüsselter Fernzugriff (Shell)
SMTP 7 – Anwendung Anwendung 25TCP E-Mail versenden (Server zu Server)
POP3 7 – Anwendung Anwendung 110TCP E-Mail abrufen (Download auf Client)
IMAP 7 – Anwendung Anwendung 143TCP E-Mail abrufen (bleibt auf Server)
DNS 7 – Anwendung Anwendung 53UDP Namensauflösung (Domain → IP-Adresse)
DHCP 7 – Anwendung Anwendung 67/68UDP Automatische IP-Adressvergabe
SNMP 7 – Anwendung Anwendung 161UDP Netzwerk-Monitoring und -Management
Telnet 7 – Anwendung Anwendung 23TCP Fernzugriff (unverschlüsselt – veraltet!)
TCP 4 – Transport Transport Verbindungsorientierte, zuverlässige Übertragung
UDP 4 – Transport Transport Verbindungslos, schnell, kein Fehlerhandling
IP (v4/v6) 3 – Vermittlung Internet Logische Adressierung, Routing
ICMP 3 – Vermittlung Internet Fehlermeldungen, Diagnosefunktionen (ping)
ARP 2/3 – Grenze Internet / Netzzugang IP-Adresse → MAC-Adresse auflösen
Ethernet 2 – Sicherung Netzzugang LAN-Übertragung, MAC-Adressierung (IEEE 802.3)
WLAN 1+2 – Physisch/Sicherung Netzzugang Drahtlose Übertragung (IEEE 802.11 a/b/g/n/ac/ax)
TLS / SSL 6 – Darstellung Anwendung Verschlüsselung von Verbindungen (z.B. für HTTPS)

TCP vs. UDP – Vergleich

Merkmal TCP UDP
VerbindungsaufbauJa (3-Way-Handshake)Nein
ZuverlässigkeitHoch (ACK, Neuübertragung)Keine Garantie
ReihenfolgeGarantiertNicht garantiert
GeschwindigkeitLangsamer (Overhead)Schneller
AnwendungHTTP, SMTP, FTP, SSHDNS, DHCP, VoIP, Streaming
PDU-NameSegmentDatagramm

Merkhilfe: E-Mail-Protokolle

  • SMTP (25): Versenden von E-Mails (Client → Server und Server → Server). „Send Mail To People"
  • POP3 (110): Abrufen und Herunterladen von E-Mails auf lokalen Client. Danach werden sie vom Server gelöscht.
  • IMAP (143): E-Mails verbleiben auf dem Server. Mehrere Geräte synchronisiert. Modern und bevorzugt.

Teste dein Wissen zu OSI-Modell, TCP/IP und Protokollen.

0 von 8 beantwortet

1. Auf welchem OSI-Layer arbeitet ein Router?

2. Welches Protokoll wird für die automatische IP-Adressvergabe verwendet?

3. Welche Aussage zu TCP ist KORREKT?

4. Welchen Port nutzt HTTPS?

5. Welches OSI-Layer entspricht dem „Internet Layer" im TCP/IP-Modell?

6. Was ist die Aufgabe von ARP?

7. Welche PDU gehört zur OSI-Schicht 2 (Sicherungsschicht)?

8. Welches E-Mail-Protokoll lässt E-Mails auf dem Server und ermöglicht den Zugriff von mehreren Geräten?