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Tag 6: Cloud-Technologien

IHK-Vorbereitung · Fachinformatiker Systemintegration

Tag 6: Cloud-Technologien

IaaS

Infra

Infrastruktur als Dienst

PaaS

Plattform

Plattform als Dienst

SaaS

Software

Software als Dienst

Servicemodelle – Überblick

Was unterscheidet IaaS, PaaS und SaaS?

Die drei Modelle unterscheiden sich darin, wie viel Verantwortung der Anbieter übernimmt und wie viel Kontrolle der Nutzer behält. In der IHK-Prüfung wird häufig gefragt, ein Szenario dem richtigen Modell zuzuordnen.

🏗️

IaaS – Infrastructure as a Service

Der Anbieter stellt virtualisierte Hardware bereit: Server, Speicher, Netzwerk. Der Nutzer installiert und verwaltet selbst Betriebssystem, Middleware und Anwendungen.

Beispiele:

Amazon EC2 Microsoft Azure VMs Google Compute Engine Hetzner Cloud
🧩

PaaS – Platform as a Service

Anbieter stellt die gesamte Laufzeitumgebung (OS, Middleware, Datenbank) bereit. Der Nutzer entwickelt und deployt nur noch seine Anwendung, ohne sich um die Infrastruktur zu kümmern.

Beispiele:

Heroku Google App Engine Azure App Service AWS Elastic Beanstalk
☁️

SaaS – Software as a Service

Fertige Softwareanwendung wird vollständig über das Internet bereitgestellt. Der Nutzer braucht nichts installieren oder konfigurieren – er nutzt die Software einfach per Browser oder App.

Beispiele:

Microsoft 365 Google Workspace Salesforce Zoom Dropbox

Verantwortungsmatrix: Wer kümmert sich um was?

Du = Unternehmen/Nutzer  |  Anb. = Cloud-Anbieter

Schicht
On-Prem
IaaS
PaaS
SaaS
Anwendung
Du
Du
Du
Anb.
Laufzeit / Middleware
Du
Du
Anb.
Anb.
Betriebssystem
Du
Du
Anb.
Anb.
Virtualisierung
Du
Anb.
Anb.
Anb.
Hardware / Netzwerk
Du
Anb.
Anb.
Anb.

Merkhilfe: Pizza-as-a-Service

Ein bekanntes Analogie-Modell aus der Praxis:

  • On-Premises: Du kochst selbst – du kaufst alle Zutaten, heizt den Ofen vor und kümmerst dich um alles.
  • IaaS: Du bestellst die Zutaten geliefert – der Ofen (Infrastruktur) ist da, du backst selbst.
  • PaaS: Du bekommst den Teig fertig – du belegst nur noch die Pizza (Anwendung) nach deinen Wünschen.
  • SaaS: Du bestellst die fertige Pizza – du isst nur noch (nutzt die Software).

Betriebsmodelle

4 Arten

On-Prem · Public · Private · Hybrid

Entscheidungskriterien

3 Faktoren

Kosten · Kontrolle · Compliance

Betriebsmodelle im Überblick

Wo läuft die Infrastruktur?

Betriebsmodelle beschreiben den Standort und die Eigentümerschaft der IT-Infrastruktur – unabhängig davon, welches Servicemodell (IaaS/PaaS/SaaS) genutzt wird.

🏢

On-Premises (On-Prem)

Alle Server und Systeme stehen im eigenen Rechenzentrum des Unternehmens. Das Unternehmen besitzt, betreibt und wartet die gesamte Hardware und Software selbst.

✓ Vorteile

  • Maximale Datenkontrolle
  • Keine Abhängigkeit von Anbieter
  • Offline-Betrieb möglich
  • Individuelle Anpassung

✗ Nachteile

  • Hohe Investitionskosten (CAPEX)
  • Eigenes IT-Personal nötig
  • Skalierung aufwändig
  • Wartung selbst verantworten
🌐

Public Cloud

Infrastruktur wird von einem Cloud-Anbieter betrieben und steht mehreren Kunden gleichzeitig zur Verfügung (Multi-Tenant). Ressourcen werden über das Internet geteilt.

✓ Vorteile

  • Schnell skalierbar
  • Keine Hardwareinvestition
  • Pay-as-you-go (OPEX)
  • Globale Verfügbarkeit

✗ Nachteile

  • Datenschutzbedenken
  • Abhängigkeit vom Anbieter
  • Weniger Kontrolle
  • Geteilte Ressourcen
AWS Microsoft Azure Google Cloud
🔐

Private Cloud

Cloud-Infrastruktur wird exklusiv für ein Unternehmen betrieben – entweder im eigenen Rechenzentrum oder beim Anbieter als dedizierte Umgebung (Single-Tenant).

✓ Vorteile

  • Hohe Datensicherheit
  • Starke Compliance-Konformität
  • Individuell konfigurierbar
  • Keine geteilten Ressourcen

✗ Nachteile

  • Höhere Kosten als Public
  • Eigene Verwaltung nötig
  • Skalierung aufwändiger
OpenStack VMware vSphere Microsoft Azure Stack
🔀

Hybrid Cloud

Kombination aus On-Premises / Private Cloud und Public Cloud. Unkritische Workloads laufen in der Public Cloud, sensible Daten bleiben On-Prem oder in der Private Cloud.

✓ Vorteile

  • Flexibel und skalierbar
  • Sensible Daten bleiben intern
  • Kostenoptimierung möglich
  • Cloud-Bursting bei Lastspitzen

✗ Nachteile

  • Komplexe Verwaltung
  • Sicherheitsübergänge aufwändig
  • Hohes Know-how nötig

Merkhilfe: Wann welches Modell wählen?

  • On-Premises: Behörden, Militär, Banken mit strengsten Compliance-Anforderungen, kein Internetzugang erlaubt
  • Public Cloud: Startups, E-Commerce, SaaS-Dienste – wenn Skalierbarkeit wichtiger ist als Kontrolle
  • Private Cloud: Krankenhäuser, Versicherungen, Konzerne – hohe Datenschutzvorgaben (DSGVO, BSI)
  • Hybrid Cloud: Großunternehmen mit gemischten Anforderungen – z.B. ERP-System On-Prem, Webshop in Public Cloud

Container vs. VM

Leichter

Kein eigenes OS pro Container nötig

Docker

De-facto

Standard für Container-Virtualisierung

Grundkonzept

Was ist ein Container?

Ein Container ist eine isolierte, portable Laufzeitumgebung für Anwendungen. Im Gegensatz zu VMs teilen sich alle Container denselben Betriebssystem-Kernel des Hosts – sie bringen nur das mit, was ihre Anwendung braucht (Bibliotheken, Konfiguration, Code).

  • Isolation: Jeder Container läuft unabhängig, ohne andere zu beeinflussen
  • Portabilität: „Build once, run anywhere" – auf jedem System mit Docker-Runtime lauffähig
  • Effizienz: Start in Millisekunden, geringer Ressourcenverbrauch
  • Reproduzierbarkeit: Identisches Verhalten in Entwicklung, Test und Produktion

Container vs. Virtuelle Maschine (VM)

Merkmal Container Virtuelle Maschine (VM)
Betriebssystem Teilt Kernel des Hosts Eigenes vollständiges OS
Startzeit Millisekunden Sekunden bis Minuten
Ressourcenverbrauch Gering (MB-Bereich) Hoch (GB-Bereich)
Isolation Prozess-Isolation (weniger stark) Vollständige Isolation (Hypervisor)
Portabilität Sehr hoch Eingeschränkter
Sicherheit Geringere Isolation Stärkere Isolation
Einsatz Microservices, CI/CD, Cloud-native Legacy-Apps, vollständige OS-Isolation
Docker-Konzepte

Die wichtigsten Docker-Begriffe

📄

Dockerfile

Textdatei mit Anweisungen zum Bauen eines Images. Legt fest, welches Basis-Image verwendet wird, welche Pakete installiert werden und welcher Befehl beim Start ausgeführt wird.

FROM ubuntu:22.04 # Basis-Image RUN apt-get install -y python3 # Paket installieren COPY app.py /app/app.py # Datei kopieren CMD ["python3", "/app/app.py"] # Startbefehl
🖼️

Image

Unveränderliches, schreibgeschütztes Abbild einer Anwendung mit allen Abhängigkeiten. Wird aus dem Dockerfile gebaut (docker build) und kann in Registries wie Docker Hub gespeichert werden.

📦

Container

Laufende Instanz eines Images. Ein Image kann beliebig viele Container erzeugen. Container sind flüchtig – Daten gehen beim Stoppen verloren, sofern kein Volume eingebunden ist.

docker run -d -p 8080:80 nginx # -d = Detached (Hintergrund), -p = Port-Mapping
💾

Volume

Persistenter Datenspeicher für Container. Daten im Volume überleben den Neustart oder die Löschung eines Containers – wichtig für Datenbanken oder Konfigurationsdateien.

🌐

Docker Compose

Werkzeug, um mehrere Container als Verbund zu definieren und zu starten (z.B. Webserver + Datenbank). Konfiguration in einer docker-compose.yml-Datei.

# docker-compose.yml services: web: image: nginx ports: ["80:80"] db: image: postgres:15 volumes: ["db-data:/var/lib/postgresql"]
☸️

Kubernetes (K8s) – Ausblick

Orchestrierungsplattform für viele Container in der Produktion. Übernimmt automatisch Lastverteilung, Neustart bei Ausfällen, Skalierung und Updates. Für die IHK relevant als Begriff und Konzept.

Merkhilfe: Docker-Workflow

Prüfungsrelevanter Ablauf in 4 Schritten:

1. Dockerfile schreiben 2. Image bauen (build) 3. Image pushen (Registry) 4. Container starten (run)
Prüfungsrelevante Abgrenzung

Gesamtvergleich: Alle Modelle auf einen Blick

Kriterium On-Prem Private Cloud Public Cloud Hybrid Cloud
Datenkontrolle Maximal Hoch Gering Mittel
Skalierbarkeit Gering Mittel Sehr hoch Hoch
Investitionskosten Sehr hoch Hoch Gering Mittel
Betriebsaufwand Sehr hoch Mittel Gering Mittel–hoch
Compliance (DSGVO etc.) Einfach Gut möglich Aufwändig Komplex
Typische Nutzer Behörden, Banken Konzerne, Kliniken Startups, E-Commerce Großunternehmen

Typische Prüfungsszenarien – Zuordnung üben

In der IHK-Prüfung erscheinen oft Fallbeispiele. Hier die häufigsten Muster:

SzenarioModellBegründung
Krankenhaus will Patientendaten verwalten Private / On-Prem Datenschutz, DSGVO, Geheimhaltungspflicht
Startup braucht schnell Webserver für Website IaaS / Public Cloud Schnell verfügbar, günstig, skalierbar
Entwicklerteam will App deployen ohne Serveradmin PaaS Kein OS-/Infrastruktur-Management nötig
Mitarbeiter nutzen E-Mail über Browser SaaS Fertige Anwendung, keine Installation
Konzern: ERP On-Prem, Webshop in Public Cloud Hybrid Cloud Sensible Daten intern, Lastspitzen in Public
Anwendung als Docker-Container mit Webserver + DB Container / PaaS Docker Compose, portable Laufzeitumgebung

CAPEX vs. OPEX – Kostenbegriffe

In Cloud-Diskussionen häufig gefragt:

  • CAPEX (Capital Expenditure): Einmalige Investitionsausgaben (Kauf von Hardware, eigenes Rechenzentrum). Typisch für On-Premises.
  • OPEX (Operational Expenditure): Laufende Betriebsausgaben (monatliche Cloud-Kosten, Lizenzgebühren). Typisch für Cloud-Modelle – geringer Einstieg, aber laufende Kosten.

→ Cloud-Anbieter werben damit, CAPEX in OPEX umzuwandeln: statt einmaligem Serverkauf zahlt man monatlich für genutzte Ressourcen.

Merkhilfe: Typische Prüfungsfragen

  • „Welches Cloud-Servicemodell ist geeignet, wenn das Unternehmen selbst kein Betriebssystem verwalten möchte?" → PaaS
  • „Nennen Sie zwei Vorteile der Public Cloud gegenüber On-Premises." → Skalierbarkeit, geringere Investitionskosten
  • „Was versteht man unter Hybrid Cloud?" → Kombination aus Private/On-Prem und Public Cloud
  • „Wie unterscheiden sich Docker-Container von VMs?" → Kein eigenes OS, gemeinsamer Kernel, leichter/schneller
  • „Was ist ein Docker-Image?" → Unveränderliche Vorlage für Container, aus Dockerfile gebaut
  • „Was ist der Unterschied zwischen IaaS und SaaS?" → IaaS: Nutzer verwaltet OS + App; SaaS: alles vom Anbieter, Nutzer nutzt nur die Software

Fortschritt

0 von 8 beantwortet

1. Ein Unternehmen möchte eine eigene Webanwendung entwickeln, ohne sich um Server-Administration oder Betriebssystem-Updates kümmern zu müssen. Welches Cloud-Servicemodell ist am geeignetsten?

2. Was versteht man unter dem Begriff „On-Premises"?

3. Welcher Aussage trifft auf Docker-Container im Vergleich zu virtuellen Maschinen (VMs) zu?

4. Ein Krankenhaus möchte seine Patientendaten verwalten und dabei die DSGVO-Konformität sicherstellen. Welches Cloud-Betriebsmodell ist am ehesten geeignet?

5. Was ist ein Docker-Image?

6. Wofür steht die Abkürzung „SaaS"?

7. Was beschreibt den Begriff „Hybrid Cloud"?

8. Welches Docker-Werkzeug wird verwendet, um mehrere Container (z.B. Webserver und Datenbank) gemeinsam zu definieren und zu starten?