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Tag 7: RAID & Network Storage

IHK-Vorbereitung · Fachinformatiker Systemintegration

Tag 7: RAID & Network Storage

RAID-Level

7 Level

RAID 0, 1, 5, 6, 10, 50, 60 – alle prüfungsrelevant

Speicherprotokolle

3 Protokolle

SMB, NFS (Dateiebene) und iSCSI (Blockebene)

AP Teil 1 & Teil 2

Prüfungsrelevante Themen

  • RAID-Level erklären, Unterschiede benennen, Anwendungsfall zuordnen
  • Speicherkapazität und Ausfalltoleranz berechnen
  • Unterschied NAS vs. SAN erklären
  • Protokolle SMB, NFS, iSCSI kennen und abgrenzen
  • Geeignetes RAID-Level für ein Szenario auswählen und begründen
Schnellübersicht: RAID-Vergleich

Alle Level auf einen Blick

RAID Mindest­platten Ausfall­toleranz Nutz­kapazität Lese­perf. Schreib­perf.
0 – Striping 2 0 Platten 100 % Sehr gut Sehr gut
1 – Mirroring 2 1 Platte 50 % Gut Mittel
5 – Striping + 1 Parität 3 1 Platte (n−1)/n Gut Mittel
6 – Striping + 2 Parität 4 2 Platten (n−2)/n Gut Geringer
10 – Striping + Mirror 4 1 je Spiegel 50 % Sehr gut Sehr gut
50 – RAID 5+0 6 1 je Gruppe variabel Sehr gut Gut
60 – RAID 6+0 8 2 je Gruppe variabel Sehr gut Mittel

Merkhilfe: Typische Prüfungsfragen

  • „Welches RAID setzt man ein, wenn maximale Performance und kein Datenverlustrisiko toleriert wird?" → RAID 0 (Achtung: keine Redundanz!)
  • „Eine Firma betreibt 6 Festplatten à 4 TB im RAID 5. Wie viel Speicher steht nutzbar zur Verfügung?" → 5 × 4 TB = 20 TB
  • „Warum eignet sich RAID 6 besser als RAID 5 für große Festplattenverbände?" → 2 Platten dürfen ausfallen; bei großen Kapazitäten ist Rebuild-Zeit länger → zweiter Ausfall realer
  • „Unterschied NAS und SAN in einem Satz?" → NAS = Dateizugriff über Netzwerk; SAN = Blockzugriff über dediziertes Netzwerk
  • „Welches Protokoll wird für dateibasierten Zugriff unter Windows eingesetzt?" → SMB
RAID 0
Striping
Kein Alias – reine Performance

Daten werden in Blöcke aufgeteilt und abwechselnd (im Stripe) auf alle Festplatten geschrieben. Es gibt keine Redundanz. Fällt eine Platte aus, sind alle Daten verloren.

D1A1
D2A2
D3A3
Alle Blöcke gestripped – volle Kapazität, volle Speed

Mindestplatten

2

Ausfalltoleranz

0 Platten

Nutzkapazität

n × Plattengröße (100 %)

Typischer Einsatz

Video-Editing, Gaming (keine kritischen Daten)

✓ Vorteile
  • Maximale Lese- & Schreibgeschwindigkeit
  • 100 % der Kapazität nutzbar
✗ Nachteile
  • Keinerlei Redundanz
  • Erhöhtes Ausfallrisiko (je mehr Platten, desto höher)
RAID 1
Mirroring (Spiegelung)
„Spiegel-RAID"

Alle Daten werden identisch auf zwei (oder mehr) Platten gespiegelt. Eine Platte ist reine Kopie der anderen. Sehr einfaches Konzept mit maximaler Datensicherheit bei 2 Platten.

D1Orig.
D2Spiegel
D1 und D2 sind stets identisch

Mindestplatten

2

Ausfalltoleranz

1 Platte (n−1 bei mehr)

Nutzkapazität

50 % (1 × Plattengröße)

Typischer Einsatz

OS-Laufwerk, kleine kritische Systeme

✓ Vorteile
  • Einfachste Redundanz
  • Schnelles Lesen (beide Platten nutzbar)
  • Rebuild sehr schnell
✗ Nachteile
  • Nur 50 % Kapazität nutzbar
  • Schreiben nicht schneller als Einzelplatte
RAID 5
Striping mit verteilter Parität
„Der Klassiker" im Unternehmensbereich

Daten werden gestripped und für jeden Stripe wird ein Paritätsblock (XOR) berechnet. Die Parität rotiert über alle Platten. Aus den verbleibenden Platten kann die ausgefallene Platte rekonstruiert werden.

D1Data
D2Data
PParität
D3Data
Parität rotiert über alle Platten

Mindestplatten

3

Ausfalltoleranz

1 Platte

Nutzkapazität

(n − 1) × Plattengröße

Typischer Einsatz

Dateiserver, NAS-Systeme, Web-Server

✓ Vorteile
  • Gute Balance aus Performance, Kapazität, Sicherheit
  • Weit verbreitet, gute Hardwareunterstützung
✗ Nachteile
  • Nur 1 Platte Ausfalltoleranz
  • Rebuild bei großen Platten dauert lang → Risiko
  • Schreib-Overhead durch Paritätsberechnung
RAID 6
Striping mit doppelter Parität
Wie RAID 5, aber sicherer

Wie RAID 5, aber es werden zwei unabhängige Paritätsblöcke (P und Q) je Stripe berechnet. Damit können gleichzeitig zwei Platten ausfallen, ohne Datenverlust.

D1Data
D2Data
PPar.1
QPar.2
Zwei rotierende Paritätsblöcke

Mindestplatten

4

Ausfalltoleranz

2 Platten gleichzeitig

Nutzkapazität

(n − 2) × Plattengröße

Typischer Einsatz

Unternehmens-Storage, Archivserver, große Arrays

✓ Vorteile
  • Sehr hohe Datensicherheit
  • Empfohlen bei Platten > 4 TB (lange Rebuild-Zeit)
✗ Nachteile
  • Höherer Schreib-Overhead als RAID 5
  • Teurer: mindestens 4 Platten, 2 als Overhead
RAID 10
Striped Mirror (RAID 1+0)
„Das Premium-RAID" für Datenbanken

Kombination aus RAID 1 und RAID 0: Zuerst werden Spiegelpaare (RAID 1) gebildet, dann werden diese Paare miteinander gestripped (RAID 0). Hohe Performance und Redundanz – zum Preis von 50 % Kapazität.

D1Orig.
D2Spiegel
+
D3Orig.
D4Spiegel
Zwei Spiegel-Paare → gestripped

Mindestplatten

4 (geradzahlig)

Ausfalltoleranz

1 Platte je Spiegel-Paar

Nutzkapazität

50 % der Gesamtkapazität

Typischer Einsatz

Datenbankserver, Virtualisierung (hohe I/O)

✓ Vorteile
  • Beste Performance unter redundanten RAIDs
  • Sehr schneller Rebuild (nur Spiegel neu schreiben)
✗ Nachteile
  • Nur 50 % Kapazität nutzbar
  • Teuer bei vielen Platten
RAID 50
RAID 5+0 (Striped RAID-5-Gruppen)
Skalierbare Lösung für große Storage-Arrays

Mehrere RAID-5-Gruppen werden miteinander zu einem RAID-0-Stripe verbunden. Jede RAID-5-Gruppe toleriert 1 Plattenausfall. Höhere Performance und bessere Skalierbarkeit als einfaches RAID 5.

D1
D2
P
+
D3
D4
P
Zwei RAID-5-Gruppen → gestripped

Mindestplatten

6 (min. 2 Gruppen à 3)

Ausfalltoleranz

1 Platte je RAID-5-Gruppe

Nutzkapazität

Abhängig von Gruppenanzahl/-größe

Typischer Einsatz

Große Unternehmens-Arrays, Backup-Systeme

✓ Vorteile
  • Bessere Performance als RAID 5
  • Gut skalierbar
✗ Nachteile
  • Fällt in einer Gruppe eine zweite Platte aus, sind alle Daten verloren
  • Komplex in der Verwaltung
RAID 60
RAID 6+0 (Striped RAID-6-Gruppen)
Maximum an Sicherheit und Performance

Wie RAID 50, aber mit RAID-6-Gruppen statt RAID-5-Gruppen. Jede Gruppe toleriert 2 gleichzeitige Plattenausfälle. Wird bei sehr großen, kritischen Storage-Systemen eingesetzt.

D1
P
Q
+
D2
P
Q
Zwei RAID-6-Gruppen → gestripped

Mindestplatten

8 (min. 2 Gruppen à 4)

Ausfalltoleranz

2 Platten je RAID-6-Gruppe

Nutzkapazität

Abhängig von Gruppenanzahl/-größe

Typischer Einsatz

Sehr große Unternehmens-Storage, Rechenzentren

✓ Vorteile
  • Höchste Datensicherheit in einem Verbund
  • Sehr gute Performance durch Stripe über Gruppen
✗ Nachteile
  • Viele Platten als Overhead (2 Parität je Gruppe)
  • Hoher Controller-Aufwand, teuer
Grundunterschied

NAS vs. SAN – das Wichtigste zuerst

Der entscheidende Unterschied liegt in der Zugriffsebene: NAS arbeitet auf Dateiebene, SAN auf Blockebene. Für die Prüfung muss man diesen Unterschied klar benennen und Einsatzszenarien zuordnen können.

NAS

Network Attached Storage

Zugriff auf Dateiebene über das normale LAN/WLAN. Ein NAS-System ist ein eigenständiges Gerät mit eigenem Betriebssystem, das Freigaben über Netzwerkprotokolle (SMB, NFS) zur Verfügung stellt.

  • Anschluss über normales Ethernet (TCP/IP)
  • Günstig, einfach zu administrieren
  • Ideal für Dateifreigaben, Backups, Home-Verzeichnisse
  • Typische Beispiele: Synology, QNAP, Netgear ReadyNAS
✓ Stärken
  • Kostengünstig
  • Einfache Einrichtung
  • Für viele gleichzeitige Nutzer geeignet
✗ Grenzen
  • Teilt Bandbreite mit dem Netzwerk
  • Latenz höher als SAN
  • Kein echtes Block-Device
SAN

Storage Area Network

Zugriff auf Blockebene über ein dediziertes Speichernetzwerk. Server sehen den SAN-Speicher wie eine lokal angeschlossene Festplatte. Wird in Rechenzentren und Enterprise-Umgebungen eingesetzt.

  • Eigenes, dediziertes Netzwerk (Fibre Channel oder iSCSI)
  • Sehr hohe Performance und niedrige Latenz
  • Ideal für Datenbankserver, Virtualisierung (z.B. VMware)
  • Typische Hersteller: EMC (Dell), NetApp, HPE, IBM
✓ Stärken
  • Sehr hohe Performance
  • Niedrige, konstante Latenz
  • Zentraler, hochverfügbarer Speicher
✗ Grenzen
  • Sehr teuer (Hardware + Administration)
  • Komplex in Einrichtung und Betrieb

Direktvergleich NAS vs. SAN

KriteriumNASSAN
ZugriffebeneDateiebeneBlockebene
ProtokolleSMB, NFS, FTPFibre Channel, iSCSI, FCoE
NetzwerkStandard LAN (Ethernet)Dediziertes SAN-Netzwerk
PerformanceMittel (netzwerkabhängig)Sehr hoch (dediziert)
KostenGering–mittelHoch–sehr hoch
EinsatzDateifreigaben, Backup, SMBDatenbank, Virtualisierung, RZ
AdministrationEinfach (Web-GUI)Komplex (Spezialwissen nötig)
Prüfungstipp

Szenariofragen richtig zuordnen

  • „Ein KMU möchte Dateien zentral für 20 Mitarbeiter ablegen" → NAS (einfach, kostengünstig, Dateifreigabe)
  • „Ein Rechenzentrum betreibt 50 VMs, die alle auf gemeinsamen Speicher zugreifen" → SAN (Blockzugriff, hohe Performance, Live Migration möglich)
  • „Ein Datenbankserver benötigt extrem geringe I/O-Latenz" → SAN
  • „Eine Schule benötigt einen zentralen Backup-Speicher" → NAS
Überblick

Netzwerkspeicher-Protokolle

Die drei prüfungsrelevanten Protokolle unterscheiden sich in Zugriffebene, Betriebssystemherkunft und typischen Einsatzgebieten. Man muss sie klar voneinander abgrenzen können.

🪟

SMB – Server Message Block

Dateiprotokoll für Windows-Netzwerke. Ermöglicht den Zugriff auf Dateifreigaben, Drucker und andere Ressourcen im Netzwerk. In Linux-Umgebungen durch Samba implementiert.

  • Standard unter Windows für Netzlaufwerke (\\Server\Freigabe)
  • Neuere Version: SMB 3.x (verschlüsselt, komprimiert)
  • Port: 445/TCP (modern), früher auch 139/TCP (NetBIOS)
  • Authentifizierung via Active Directory oder lokale Konten
Dateiebene Windows Port 445 NAS-Protokoll
🐧

NFS – Network File System

Dateiprotokoll aus der Unix/Linux-Welt (Sun Microsystems, 1984). Ermöglicht das Einbinden (Mounten) von entfernten Verzeichnissen, als wären sie lokal vorhanden.

  • Standard in Linux/Unix-Umgebungen für Netzwerkverzeichnisse
  • Aktuelle Version: NFS v4.x (mit Authentifizierung und Verschlüsselung)
  • Port: 2049/TCP+UDP
  • Syntax: /etc/exports auf dem Server, mount auf dem Client
Dateiebene Linux/Unix Port 2049 NAS-Protokoll
💾

iSCSI – Internet Small Computer Systems Interface

Blockprotokoll, das das SCSI-Kommandoprotokoll über TCP/IP überträgt. Ermöglicht den Zugriff auf remote Blockspeicher über normales Ethernet – ohne teures Fibre Channel.

  • Das System sieht den Speicher wie eine lokale Festplatte (Block Device)
  • Geeignet für Virtualisierung, Datenbankserver, SAN über IP
  • Port: 3260/TCP
  • Begriffe: Initiator (Client, der Speicher anfragt) und Target (Server, der Speicher bereitstellt)
Blockebene SAN über IP Port 3260 Initiator/Target

Protokoll-Vergleich auf einen Blick

KriteriumSMBNFSiSCSI
ZugriffebeneDateiDateiBlock
HerkunftMicrosoftSun/UnixIETF (Standard)
Typisches OSWindowsLinux/UnixBetriebssystemunabhängig
Port445/TCP2049/TCP+UDP3260/TCP
SpeichertypNASNASSAN (IP-basiert)
AuthentifizierungNTLM / KerberosKerberos (v4), UID/GIDCHAP (Challenge-Handshake)
EinsatzWindows-Dateiserver, AD-UmgebungenLinux-Heimat, NFS-Home-DirsVM-Storage, DB-Server
Prüfungstipp

Typische Szenariofragen

  • „Windows-Server soll Laufwerke für Windows-Clients freigeben" → SMB
  • „Linux-Clients sollen ein Home-Verzeichnis zentral einbinden" → NFS
  • „Ein VMware-Cluster soll einen zentralen Datenspeicher über das LAN als Block-Device nutzen" → iSCSI
  • „Wie heißen die beiden Rollen bei iSCSI?" → Initiator (Client) und Target (Server)
  • „Welches Protokoll arbeitet auf Blockebene?" → iSCSI (SMB und NFS sind Dateiprotokolle)
Merktabelle

Ports merken

SMB

445

TCP – Windows-Dateifreigabe

NFS

2049

TCP + UDP – Unix/Linux-Netzwerkdateisystem

iSCSI

3260

TCP – Block-Storage über IP

Fibre Channel

Kein IP-Port – eigenes FC-Protokoll (kein TCP/IP)